Design for Manufacturing (DFM) Tipps: Qualitätssicherung bereits am Reißbrett
Qualität und Kosten eines Aluminiumprofils werden zu 70 % in der Konstruktionsphase festgelegt. Die Einhaltung der "Design for Manufacturing" (DFM)-Prinzipien verlängert die Matrizenstandzeit, senkt die Ausschussquote und reduziert die Stückkosten beim Aluminium-Strangpressen.
1.1 Gleichmäßige Wandstärke: Die Goldene Regel
Die wichtigste Regel bei der Konstruktion von Strangpressprofilen ist die Einhaltung einer möglichst gleichmäßigen Wandstärke.
- Physikalische Ursache: Aluminium fließt im Werkzeug (Matrize) den "Weg des geringsten Widerstands". Bei Profilen mit sowohl massiven (z. B. 5 mm) als auch dünnen (z. B. 1,5 mm) Bereichen fließt das Metall schneller durch die dicken Sektionen, was zu einer Unterversorgung der dünnen Bereiche führt.
- Folge: Es entstehen Verzug, Torsion (Twist) und Maßabweichungen. Beim Abkühlprozess (Cooling) schrumpfen dicke Bereiche langsamer und deformieren dabei die dünneren Stege.
- Lösung: Wanddickenübergänge sollten nicht abrupt, sondern durch konische Übergänge (Tapered Transitions) oder weiche Radien gestaltet werden. Falls statisch nicht erforderlich, sollten Massenanhäufungen vermieden und hohl gestaltet werden.
1.2 Eckradien und scharfe Kanten
Konstrukteure bevorzugen in CAD-Programmen oft scharfe Kanten (Null-Radius). In der Praxis der Extrusionstechnik sind diese jedoch problematisch.
- Werkzeugbelastung: Scharfe Innenkanten verursachen Spannungskonzentrationen (Kerbwirkung) im Matrizenstahl, was zu Rissen und Werkzeugbruch führen kann.
- Oberflächenveredelung: Die Eloxalschicht haftet an messerscharfen Kanten nicht ausreichend und bricht auf. Bei der Pulverbeschichtung tritt der "Kantenfluchteffekt" auf, wodurch die Schichtdicke an den Ecken zu gering ausfällt.
- Empfehlung: Alle Innen- und Außenkanten sollten mit einem Mindestradius von 0,5 mm – 1,0 mm versehen werden. Dies optimiert den Materialfluss und sichert die Qualität der Oberflächenbehandlung.
1.3 Symmetrie und Balance
Symmetrische Profile sind prozesssicherer und kostengünstiger zu fertigen.
- Ungleichmäßiger Fluss: Asymmetrische Profile (Einseitige Massenverteilung) neigen dazu, beim Austritt aus der Presse zu krümmen. Dies erfordert intensives Recken (Stretching), was jedoch Eigenspannungen im Material verursacht.
- Konstruktionstipp: Ist Asymmetrie unvermeidbar, müssen im Werkzeugdesign Ausgleichskanäle (Balancing Pockets) vorgesehen werden. Die beste Lösung bleibt jedoch eine von Grund auf symmetrische Geometrie.
1.4 Schraubkanäle und Montage-Details
Bei der Auslegung von Schraubdomen (Screw Ports):
- Offen vs. Geschlossen: Bevorzugen Sie offene "C"-Kanäle oder Halbschalen gegenüber geschlossenen Rundlöchern. Geschlossene Kanäle erfordern den Einsatz eines Dorns (Mandrel) im Werkzeug, was die Stabilität der Matrize schwächt und die Kosten erhöht.
- Bohrführungen: Kleine "V"-Kerben (Drill Guides) an den Innenflächen der Kanäle oder auf flachen Profilseiten verhindern das Abrutschen des Bohrers bei der Montage und sparen Montagezeit.